Die ‚Frankfurter Küche’ der Designsammlung Detmold (Archiv-Nr.: 192804) wurde 1928 in ein 1927/28 errichtetes 3-Zimmer-Einfamilien-Reihenhaus der Siedlung ‚Römerstadt’ im Nordwesten Frankfurts eingebaut und von den jeweiligen Bewohnern kontinuierlich bis 1995 genutzt. Während des Nutzungszeitraumes, vor allem in den 1950er Jahren, erlebte die Küche mehrere Komplettanstriche sowie den Austausch kleinerer Bauteile, des Herdes, der Hängeleuchte etc. Als 1995 das Haus renoviert und modernisiert werden musste, was den Ausbau und die Zerstörung der alten Küche bedeutete, übergab sie der damalige stellv. Vorsitzende der AGB Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen Hermann Kehry an Prof. Felix Nitsch vom Fachbereich 1 in Detmold. Nach einer Sicherung in der Tischlerei des Fachbereichs wurde sie im Lippischen Landesmuseum Detmold eingelagert und dort 2003 einmalig im Rahmen einer Ausstellung zur Küchenkultur partiell gezeigt. Nach einer Restaurierung und Ergänzung am Fachbereich 2015/16 ist sie nun als raumbildendes Lehr- und Ausstellungsexponat erstmalig komplett installiert und auf dem Campus Detmold der Hochschule Ostwestfalen-Lippe zu besichtigen.


Heutige Präsenz


Obwohl sie in Frankfurt am Main zwischen Mai 1926 und 1932 an die 10.000 Mal gebaut wurde, gibt es von ihr lediglich ein restauriertes Exemplar am Originalstandort, im ‚Ernst-May-Haus Frankfurt am Main’.


Musealisierte Exemplare befinden sich in folgenden Häusern: Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Historisches Museum Frankfurt, Landesmuseum für Technik und Arbeit Mannheim, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Werkbundarchiv - Museum der Dinge, Berlin aber auch im Ausland, so bspw. im: MAK Museum für Angewandte Kunst Wien (Nachbau), Technisches Museum Wien, Minneapolis Institute of Arts, Museum of Modern Art New York, Victoria & Albert Museum London.


Im Kontext der Lehre (Raumgestaltung / Produktdesign) verfügen die Designsammlung der Bergischen Universität Wuppertal, die bisher keinen eigenen Stand- und Präsentationsort hat, sowie die Designsammlung Detmold der HS OWL/Lippisches Landesmuseum über ein Exemplar.





Das Exemplar der ‚Frankfurter Küche’ in Detmold

1926

DIE KÜCHENREVOLUTION

FRANKFURTER KÜCHE / DAS DETMOLDER EXEMPLAR / DIE REKONSTRUKTION

Ursprünglicher Standort (Foto 2015): Im Heidenfeld 43, Frankfurt am Main, errichtet 1927/28 - Siedlung Römerstadt, Typ: 3-Zimmer-Einfamilien-Reihenhaus



Ursprünglicher Grundriss (Stand 1995): Länge: 3,04 m / Breite 2,01 m / Höhe 2,63 m, Fenster zur Straße (Westnordwest), Türe Längsseite zum Eingangsflur, Türe Schmalseite zum gartenseitigen Wohnzimmer



Ursprüngliche Wandaufrisse (Stand 1995): links Eingangswandseite, rechts Außenwandseite Wohnzimmer



 © Hochschule Ostwestfalen- Lippe

Impressum

Installation der Frankfurter Küche am Campus Detmold der Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Ausstattung


Das Detmolder Exemplar entsprach annäherungsweise dem Basistyp:


1 Arbeitstisch aus Buchenholz

2  darunter ein kühler Vorratsschrank („Speisekasten“) mit passiver Außenbelüftung (Wandloch mit     Regulationsgitter in der Straßenfassade)

3  darunter ein Heizkörper

4  höhenverstellbarer Drehhocker

5  Schubladenschränkchen mit ausziehbarer Arbeitsplatte (schwarzer Linoleumbelag)

6  ein hängender Geschirrschrank über die gesamte Wandlänge

7  Elektroherd mit zusätzlichem Holz/Kohleofen (Strom war teuer)

8  in die Wand gestelltes, herausnehmbares Bügelbrett (hier in einer Variante ausgestellt im Vorraum)

9  zweiteiliger Schrank 

    - unten: Topfschrank zum Nachtrocknen der Töpfe und Deckel

    - mittig: Schüttenfächer für 10 Aluminiumschütten und zwei  Holzschübe

Die Aluminiumschütten für Lebensmittel, Gewürze und Zutaten ersetzten die bisher genutzten Papiertüten und erlauben hygienische Aufbewahrung sowie dosierendes Schütten ohne Löffel, ein Holzschuber aus Kiefernholz (hydrophil) wurde zur Trockenhaltung von Salz eingesetzt, der andere, Mehl verwahrende Holzschuber bestand aus Eichenholz, da dessen Gerbsäure Mehlwürmer abhielt.

  - oben: Vorratsschrank daneben die Tür zum Flur, darüber ein Regalfach

10  Schränkchen mit ausziehbarer Arbeitsplatte (schwarzer Linoleumbelag), darauf das Ablaufbrett für nasses       Geschirr aus Buchenholz, eventuell mit Blechbelag

11  Doppelspüle aus Gussemaille mit wandinstallierter Mischbatterie und Spülenunterschrank

12  darüber Trockenregal für Teller    

13  großes Fenster für möglichst optimale Tageslichtnutzung

14  an der Decke hing im Idealfall eine bewegliche Schiebeleuchte, meistens jedoch eine fixierte Hängeleuchte       mit Opalglaskugel


Zur Bewältigung des Abfalls durch einen integrierten Müllbehälter/-schrank gibt es für den Detmolder Typ keinen Hinweis.



Die Beteiligten


Aufbereitung, Konzeption, Rekonstruktion (2015-2017) und Finanzierung

Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur / FB1


Projektleitung

Prof. Dr. phil. Andreas K. Vetter


Bearbeitung und Aufmaß

Laura Gotzmann, Kim Heiderstädt, Franziska Müskens


Ausarbeitung

Franziska Müskens B.A.


Bauberatung und Umsetzung der Rekonstruktion

Dipl.-Ing. Markus Opitz


Baumaßnahmen

Dipl.-Ing. Markus Opitz, Markus Dubbert B.Sc., Axel Stock B.A,

Matthias Hoffmann


Elektrik

Dipl.-Ing. Peter Schuster, Torsten Böger


Boden

Marmor und Naturstein Trupke, Detmold


Fachliche Beratung

Renate Flagmeier M.A., Leitung, Museum der Dinge – Werkbundarchiv, Berlin

Johannes Ranacher, Restaurator, MAK Museum für angewandte Kunst, Wien

Dipl.-Ing. Gilbert Töteberg, ernst-may-gesellschaft e.V., Frankfurt am Main


Besonderer Dank gilt den Förderern


Dipl.-Rest. Berenice Gührig, Münster, für begleitende restauratorische Beratung und Reinigung


Astrid Debus-Steinberg und Martina Debus, Stuttgarter Gesellschaft für Kunst und Denkmalpflege, für intensive Beratung und Stiftung der Fliesenspiegel


Marmor und Naturstein Trupke, Detmold für die Stiftung der Sockelverblendung







Hornsche Straße 236, 32760 Detmold - 05231/50680 - naturstein.trupke@web.de





Abbildungen: © Archiv Margarete Schütte-Lihotzky + FB1